BEGRIFFSERKLÄRUNG
Sie lernt jeden Tag durch den Halter erwünschtes Verhalten. Doch auch unerwünschtes Verhalten lernt sie, wenn der Halter nicht aufpasst. Denn auch wenn der Halter nicht aktiv mit ihr arbeitet, lernt sie, und zwar 24 Stunden am Tag!
SENSIBLE PHASE ist ein genetisch festgelegter Zeitabschnitt.
Sie liegt zwischen der 3. und 14. Woche. Der Höhepunkt der sensiblen Phase ist in der 7. Woche. In dieser Phase wird sehr einprägsam und nachhaltig gelernt. Die in dieser Zeit ablaufenden Lernvorgänge haben Einfluss
- auf den Motivationsbereich,
- die spätere Aggressionsbereitschaft,
- auf die Bindungsfähigkeit,
- das Geselligkeitsbedürfnis
- und auf die Fähigkeit des Welpen, sich in eine Gruppe einzugliedern.
Der Welpe muss in dieser Zeit viele abwechslungsreiche Einwirkungen haben, viele verschiedene Reize, er sollte seine ganze Umwelt kennen lernen können. Der Welpe wird nicht mit der Kenntnis seiner Artzugehörigkeit geboren. Er weiß nicht, dass er ein Hund ist. Die Reize der Umwelt werden derart dauerhaft ins Verhaltensrepertoire aufgenommen, dass sie später wie angeboren erscheinen. Fehlen diese Reize, kommt es zu schweren sozialen Fehlentwicklungen und zu späterer Unfähigkeit, sich sozial anzupassen.
PRÄGUNG ist eine irreversible (nicht mehr umkehrbar) Form des Lernens
Sie liegt zwischen der 4. und 7. Woche. In dieser Zeit wird der Welpe intensiv auf seine hundlichen Artgenossen geprägt. Damit der Hund auch auf den Menschen geprägt wird, muss dieser sich viel mit ihm beschäftigen. Er muss mit ihm spielen, ihn Geruchs- und Lautkontakte aufnehmen lassen und ihn an optische und akustische Einflüsse gewöhnen.
Das Koordinieren der Bewegungsabläufe verbessert sich täglich, die Welpen werden schneller und die Spiele mit den Geschwistern differenzierter. Sie zwicken sich gegenseitig, zerren aneinander oder machen Scheinangriffe. Das ruhige und ausgeglichene Verhalten der Mutterhündin überträgt sich auf die Welpen.
SOZIALISIERUNG ist Anpassen an die Umwelt
Sie liegt zwischen der 8. und 16. Woche Mit Ende der 8. Woche ist es die beste Zeit, den Welpen in die neue Familie zu übergeben. Die Mutterhündin hat sich bereits weitgehend von ihrer Brut „abgenabelt“, die Säugeperiode ist gewöhnlich mit der 6. Woche abgeschlossen ist, und die Welpen kommen bezüglich der Ernährung gut ohne Mutter klar.
Der Erkundungsdrang der Welpen wird immer größer. In dieser Zeit sollte der Welpe durch die neue Familie an die Umwelt mit all ihren Reizen gewöhnt werden.
Der Mensch setzt also den Entwicklungsprozess der Sozialisierung fort. In einer Welpenstunde in der Hundeschule werden neue Reize gesetzt, die ersten Signale gelernt und eventuelle Defizite lassen sich in einer gut geführten Welpengruppe sehr schnell überwinden.
Es ist außerordentlich interessant zu erleben, wie die zusammengeführten Hunde eine Rangordnung bilden. Es muß darauf geachtet werden, dass kein Mobbing statt findet und rücksichtslose Welpen in ihre Schranken verwiesen werden. Nichts sollte dem Welpen erlaubt werden, was der erwachsene Hund später auch nicht darf. Ziel ist, ein entspannter Umgang mit anderen Hunden und Vorbereitung auf ein Leben in menschlicher Gesellschaft.
Gemeinsame positive Erfahrungen bauen in diesem Alter Bindung auf. Die Welpenstunden werden genutzt, um unerfahrene Hundehalter in der Stunde „Wissen über Hunde“ zu vermitteln.
Die Weitergabe von „Hundewissen“ an Hundehalter ist eine wertvolle Tätigkeit pro Hund!
LERNEN FÜR DAS LEBEN die Zeit nutzen
Es wäre ein verhängnisvoller Fehler, die besondere Lernphase nicht auch zum erlernen erwünschter Verhaltensweisen zu nutzen. Der Familienhund lernt die Grundanforderungen der Integration in die menschliche Gesellschaft.
Dazu gehören:
– Leinenführigkeit
– Signale solange ausführen, bis sie vom Besitzer aufgehoben werden
– aus jeder Situation abrufbar werden
Das sind alles vorerst Anbahnungen, die später ausgebaut werden.
Der Hund lernt die Grundpfeiler für sein späteres, angepasstes Leben.